Soziales Jahr

Heißt „verschenkt“ = „umsonst“?

Warum ein Freiwilligendienst so wertvoll ist

 

In unserem Leitbild heißt es u.a.:  „Wir arbeiten mit vielen Menschen zusammen. Sie unterstützen uns bei unseren Aufgaben.“ Wer sind diese Menschen? Wir, das sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Buxtehude e.V. mit ihren unterschiedlichsten Fähigkeiten und Kompetenzen. Wir arbeiten in den Offenen Hilfen zusammen mit nebenberuflich Beschäftigten aus den verschiedensten Berufsfeldern. Wir werden unterstützt von Ehrenamtlichen, die beispielsweise in der Kita vorlesen. Wir arbeiten mit Eltern, Angehörigen und Freunden zusammen. Mit anderen Vereinen, Netzwerken und Ämtern. Die Liste ist lang. Nicht zu vergessen aber, da seit vielen Jahren präsent und wichtig, sind die jungen Männer und Frauen, die uns im Zuge von Ausbildungspraktika und den Freiwilligendiensten „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) und „Bundesfreiwilligendienst“ (BFD) unterstützen. Um letztere, die Freiwilligen, soll es in diesem Text gehen.

„Last but not least“ das trifft auf die obige Aufzählung zu wie die Faust auf´s Auge. Seit vielen Jahren bereits profitiert die Lebenshilfe Buxtehude e.V. von dem Einsatz dieser jungen Freiwilligen bzw. früher den Zivildienstleistenden. Jedes Jahr nach den Sommerferien startet ein neues Team engagierter und motivierter junger Menschen in den Klassen, Gruppen, Einrichtungen unseres Hauses. In diesem Jahr werden wir von insgesamt 16 Freiwilligen im FSJ und BFD in den verschiedenen Einrichtungen unterstützt. Auf diesem Wege möchten wir sie nochmals ganz herzlich im Team der Lebenshilfe Buxtehude e.V. begrüßen!

Gemeinsam mit den Freiwilligen beginnt auch für die Anleiterinnen und Anleiter aus den Bereichen ein spannendes Jahr. Ihnen soll für Ihre tolle Begleitung und Unterstützung an dieser Stelle schon jetzt gedankt werden. Die Einarbeitung, Begleitung und Reflexion unserer Freiwilligen über das Jahr ist eine wichtige Aufgabe, die sie neben der Vielfältigkeit der alltäglichen Arbeit erfüllen.

In Deutschland gab es 2014 allein im BFD etwa 38.000 Freiwillige. Hinzukommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des FSJ in den „klassischen“ Bereichen wie der Eingliederungshilfe, im kulturellen Bereich, im ökologischen Jahr und in der Denkmalpflege. Doch warum entscheiden sich so viele junge Menschen für ein FSJ bzw. den BFD? Warum möchte man mit 17 Jahren ein Jahr lang freiwillig jeden Tag in Vollzeit arbeiten gehen und nicht wie viele andere auch, durch die Welt reisen?

In den ersten Gesprächen mit den jungen Interessierten wird immer wieder deutlich, dass sie sich einsetzen möchten. Einsetzen dafür, dass alle gleich behandelt werden, alle die gleichen Chancen haben. Sie möchten das Leben aus einer anderen Perspektive kennenlernen, in der es einem nicht immer leicht gemacht wird, das Leben zu leben, das man sich wünscht.

Viele kennen die Lebenshilfe Buxtehude e.V. durch eigenes Erleben in den Kitas und KOOP-Klassen. Die meisten aber nicht. Sie haben von Freunden gehört, wie wertvoll ein solches freiwilliges Jahr ist. Gerade bei uns. Das spricht für eine tolle Begleitung durch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für das hohe Engagement unserer Freiwilligen, die uns auch nach dem FSJ und BFD als Ausbildungspraktikanten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Offenen Hilfen erhalten bleiben.

Herr Alpers aus der Kalle-Gerloff-Schule ist bereits seit vielen Jahren tätig in der Akquise neuer Freiwilliger in den Schulen. So kommen auch viele Interessierte auf uns zu aufgrund des Vortrages „des Mannes mit Bart“ in ihrer Schule. Bei einem unserer Besuche in einer Schule sagte ein Schüler, ein FSJ sei doch ein verschenktes Jahr. So könne er doch besser direkt mit 17 mit einem Studium beginnen, den Bachelor machen und nach drei Jahren ordentlich Geld verdienen.

Ist ein freiwilliges Jahr wirklich ein verschenktes, ein vergeudetes Jahr? Nein. In einem freiwilligen Jahr lernt man viel über sich und seine Mitmenschen. Man hat mit vielen verschiedenen Charakteren zu tun, ganz gleich ob man das Jahr in der Eingliederungshilfe oder aber z.B. im ökologischen Bereich absolviert. Man lernt, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten, im Team zu arbeiten oder Menschen zu unterstützen, jeden auf seine ganz eigene Weise, während man die eigenen Interessen hinten an stellt. Man übernimmt erstmals Verantwortung. Lernt Dinge, die man sich nie zugetraut hätte. So schildern es unsere Freiwilligen nach ihrem Jahr bei uns. Und wirklich, auch wenn man es als Freiwilliger vielleicht nicht gerne hört, weil es wie eine altkluge Floskel klingt, aber: Man wird erwachsen.

Das freiwillige Jahr ist wichtig. Es ist wichtig, um nach der Schule, dem seit Jahren zunehmenden Leistungsdruck, einmal durchzuatmen. Die Möglichkeit zu haben, sich zu fragen und zu überlegen „wo soll es für mich hingehen“. Viele wissen zu Beginn des FSJ/ BFD nicht, was sie einmal werden möchten. Das ist nicht schlimm. Und mit 17 und 18 Jahren nicht verwunderlich. Nach dem FSJ/ BFD hatten bislang aber immer alle ein Ziel, einen Plan und wussten, was und wohin sie wollten.

So unterstützt man nicht nur andere, sondern erfährt durch die Träger der Freiwilligendienste selbst Begleitung und Beratung. Für das FSJ sind es die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) und für den BFD der Paritätische Niedersachsen. Diese Träger sind im Übrigen der einzige Unterschied zwischen den beiden Freiwilligendiensten sowie die Möglichkeit, den BFD auch noch weit über das 27. Lebensjahr hinaus zu absolvieren. Beide Träger begleiten die jungen Freiwilligen das Jahr über durch Seminare und Gespräche. Die Seminare finden fünf Mal im Jahr für jeweils fünf Tage in kleinen Gruppen statt. Dabei behandeln sie die verschiedensten Themen wie Selbsterfahrung, Bewerbungstraining, aber auch eine Segelreise ist möglich. Auch mit den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Träger arbeiten wir zusammen und verdanken ihnen die Möglichkeit, tolle junge Menschen für unsere Arbeit und Berufe zu begeistern. Die „Teamer“ unterstützen bei der Organisation von Studientagen oder der Suche nach dem geeigneten Ausbildungsplatz.

Die Freiwilligen lernen und erfahren viel in diesem einen Jahr. Doch nicht nur sie lernen etwas: Durch jede und jeden, die uns ein Jahr unterstützen, erhalten auch wir neue Perspektiven auf unsere Arbeit, bekommen „frischen Wind“. Dabei helfen uns die Fragen und Ideen der Freiwilligen und die Reflexion verschiedener Situationen und Aufgaben.

Ist ein FSJ also ein „verschenktes“ Jahr? Ja. Wenn man „verschenkt“ nicht als „unnütz, überflüssig“ versteht, sondern als das, was es in erster Linie heißt: Als Geschenk. Dafür möchten wir unseren Freiwilligen danken und freuen uns auf dieses gemeinsame neue Jahr!

Infokasten FSJ

  • Dauer:                                regelmäßig 12 Monate, ggf. 18 Monate
  •  
  • Alter:                                          16 – 27 Jahre
  •  
  • Träger:                                       ijgd – Internationale Jugendgemeinschaftsdienste
  •  
  • Begleitung:                               persönliche Begleitung und fachliche Anleitung 
  • durch einen festen Ansprechpartner der Lebens-hilfe vor Ort; pädagogische Begleitung durch den Träger (Besuche in der Einsatzstelle, Besuch von 25 Seminartagen)
  • Beschäftigungsart:                 sozialversicherungspflichtiges 
  • Beschäftigungsverhältnis, daher besteht nach Ableistung des mind. 12-monatigen FSJ ein Anspruch auf Arbeitslosengeld
  • Taschengeld:                            400,00 Euro
  • Arbeitszeit:                               5-Tage-Woche mit 39 Wochenstunden      
  • Urlaub:                                       30 Tage sowie Heiligabend und Silvester extrafrei
  • Kindergeldanspruch:  ja – für Kindergeld und Kindergeldfreibeträge ist die 
  • Ableistung des FSJ gleichbedeutend mit Zeiten der Schul-         und Berufsausbildung
  • Zusätzliche Anreize:              i.d.R. Anerkennung des FSJ als Hochschulwarte-
  • Infokasten BFD
  • Semester, Nachholung von Pflichtpraktika für späteres Studium, Nachholung des Hauptschulab-schlusses; Vergünstigungen im öffentlichen Nah-verkehr und in öffentlichen Einrichtungen mit dem FSJ-Ausweis
  • Dauer:                                        regelmäßig 12 Monate, ggf. 18 Monate 
  • Alter:                                          ab 16 Jahren, die Schulpflicht muss erfüllt sein
  • Träger:                                       ijgd – Internationale Jugendgemeinschaftsdienste
  • Begleitung:                               persönliche Begleitung und fachliche Anleitung 
  • durch einen festen Ansprechpartner der Lebens-hilfe vor Ort; pädagogische Begleitung durch den Träger (Besuche in der Einsatzstelle, Besuch von 25 Seminartagen)
  • Beschäftigungsart:                 sozialversicherungspflichtiges 
  • Beschäftigungsverhältnis, daher besteht nach Ableistung des mind. 12-monatigen FSJ ein Anspruch auf Arbeitslosengeld
  • Taschengeld:                            400,00 Euro
  • Arbeitszeit:                               5-Tage-Woche mit 39 Wochenstunden      
  • Urlaub:                                       30 Tage sowie Heiligabend und Silvester extrafrei
  • Kindergeldanspruch:  ja – für Kindergeld und Kindergeldfreibeträge ist die 
  • Ableistung des FSJ gleichbedeutend mit Zeiten der Schul-         und Berufsausbildung
  • Zusätzliche Anreize:              i.d.R. Anerkennung des FSJ als Hochschulwarte-    
  • Im Übrigen: Das Bewerbungsverfahren für den nächsten Durchgang beginnt im Januar 2016, doch bereits seit August diesen Jahres erhalten wir hierfür Bewerbungen. Wenn das kein Erfolg ist?
  • Rückfragen und Bewerbungen an die Lebenshilfe Buxtehude e.V., Apensener Straße 93, 21614 Buxtehude, Tel 04161-74 30 – 119/ -100 oder per Mail unter margarete.will@lebenshilfe-buxtehude.de .
  • Semester, Nachholung von Pflichtpraktika für späteres Studium, Nachholung des Hauptschulab-schlusses; Vergünstigungen im öffentlichen Nah-verkehr und in öffentlichen Einrichtungen mit dem FSJ-Ausweis

Ausschreibung Teilnehmer im Freiwilligen Sozialen Jahr (m/w) (12.05.2017)