Ehemalige Praktikanten und Zivildienstleistende berichten oftmals, wie wichtig ihnen die Umgang mit Menschen mit Behinderungen für Ihren beruflichen Werdegang und ihre persönliche Entwicklung gewesen ist.
Manche hat es in ihrer Berufswahl beeinflusst, für viele war es einfach eine tolle Erfahrung.
Wir können Praktikanten und Zivildienstleistende in vielen Bereichen der Lebenshilfe einsetzen und profitieren von ihrer jugendlichen Frische und ihrem Engagement.
Am meisten aber profitieren die Menschen mit Behinderung!
Die Lebenshilfe Buxtehude bietet aktuell 28 Zivildienstplätze – oder alternativ Praktikumsplätze - in folgenden Bereichen an:
Nach meinem Schulabschluss entschied ich mich für ein ganzjähriges Praktikum in der Lebenshilfe Buxtehude. Warum?
Immerhin war ich fertig mit der Schule und hätte jederzeit eine Ausbildung oder ein Studium beginnen können. Allerdings wollte ich nichts überstürzen und war mir über meine Zukunftspläne noch nicht wirklich im Klaren und da ich eh schon überlegte vielleicht später einmal im sozialen Bereich tätig zu werden, dachte ich mir, wieso eigentlich nicht. Es ist nichts ewig Verpflichtendes und wenn mir diese Arbeit nicht liegt, bin ich in einem Jahr wieder weg und um eine Entscheidung für meinen künftigen Berufsweg weiter. Natürlich hätte ich auch nur eindreiwöchiges Praktikum wählen können, aber mal ehrlich: bekommt man durch drei Wochen wirklich einen richtigen Einblick? Baut man Beziehungen zu den Kindern auf und lernt abzuwiegen was richtig für sie ist?
Nein, denn erst nach ein paar Monaten merkt man selber, dass man richtig eingearbeitet ist und eine wirkliche Hilfe für die Mitarbeiter bzw. Unterstützung für die Kinder darstellt.
In meinem Praktikum hatte ich, vor allem im morgendlichen Frühdienst, einen geregelten Tagesablauf und feststehende Tätigkeiten. Allerdings arbeitete ich mit 7 bis 8 jährigen Kindern zusammen, die es schafften, jeden noch so regelmäßigen Tag in eine ganz neue Herausforderung zu drehen. Ich begleitete die Kinder sowohl beim Lernen, Singen und Malen im Schulunterricht, als auch beim Essen, Sport und Spielen. Jede dieser einzelnen Aktionen konnte innerhalb von Sekunden umschlagen und schnelles Handeln fordern. Also war ein immer wachsames Auge gefragt. Daher rate ich jedem von diesem Praktikum ab, der nur ein „gechilltes“Jahr ohne viel Mühe und Anstrengung verbringen möchte. Mit dem Handy spielen und Ausruhen gibt’s da nicht.
Doch gerade durch die lauten und lebenslustigen Kinder wurde meine Arbeit in der KOOP Altkloster von Tag zu Tag schöner und keine Arbeit zu anstrengend oder zu mühsam. Natürlich mochte ich schon immer Kinder und habe auch schon vorher mit ihnen gearbeitet, aber durch mein Praktikum machte ich nochmal ganz neue Erfahrungen, denn ich merkte, wie sehr es mich erfüllte, diese Menschen mit Behinderung zu unterstützen und ihnen den Schulalltag näher zu bringen. Denn gerade bei dieser Arbeit bekam ich von ihnen eine Menge zurück. Sei es das freudige Gesicht bei der morgendlichen Begrüßung und ein schrilles „Frau Kaspiiii“, ein Angebot das Lieblingsfrühstück zu teilen oder einfach nur der Gesang des neuen Atzenmusik-Lieblingshits bei der Arbeit. Ich arbeitete auf einer sehr freundschaftlichen Basis und auch das Gefühl, den Kindern das Schulleben so schön wie möglich mitgestaltet zu haben, motivierte.
Zu meinem Arbeitsfeld gehörte nicht nur die Arbeit mit Kindern, sondern auch die Freizeitgestaltung Jugendlicher und Erwachsener, einschließlich nachmittags Freizeitgruppen, Familienentlastende Dienste oder auch eine abendliche Halloween – bzw. Weihnachtsfeier.
Ich ging das Praktikum mit der Erwartung, meine Tauglichkeit in diesem Beruf zu testen, an. Diese Erwartung wurde mehr als erfüllt und ich kann sagen, dass ich mir auch später sehr gut vorstellen kann, eine soziale Arbeit zu ergreifen. Denn nur durch dieses eine Jahr habe ich so viel gelernt und mich selbst wirklich zu einem erwachseneren Menschen entwickelt, was ich mir vorher nie hätte vorstellen können. Ich bin geduldiger geworden, toleranter und aufmerksamer. Aber die wichtigste Erkenntnis war, dass es „normal ist verschieden zu sein“.
Daher empfehle ich allen, die Interessen an sozialen Tätigkeiten besitzen und gerne mit Menschen arbeiten, legt alle Vorurteile ab und bewerbt euch bei der Lebenshilfe in Buxtehude.
Pia Kasper
Hier ein Bericht eines „Ex-Zivis“:
Warum Zivildienst?!
Ich bin froh, als Kriegsdienstverweigerer die Entscheidung getroffen zu haben, meinen Zivildienst abzuleisten. Ich arbeite in der Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen in Buxtehude. Dort arbeite ich mit 11-14 jährigen Schülern zusammen und bin sehr zufrieden mit diesem vorübergehenden Arbeitsplatz, weil ich denke, dass er sehr viele wichtige Lebenserfahrungen mit sich bringt.
Während dieser Tätigkeit habe ich bei mir zum Beispiel beobachtet, dass man die Wichtigkeit und Bedeutung eines „gesunden“ Sozialverhaltens in dieser Gesellschaft viel stärker wahrnimmt. Es wird einem einfach stärker bewusst, wie sehr diese Menschen auf die Toleranz und Geduld ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Durch den direkten Bezug zu Menschen mit Behinderungen hat sich natürlich auch meine Einstellung verändert. Wenn ich früher in der Stadt eine „stark gehandicapte“ Person gesehen habe, habe ich eher beschämt zur Seite geschaut und die Person bemitleidet, anstatt auf sie zuzugehen. Heute würde ich das nicht mehr tun, weil mir einfach klar geworden ist, wie begeisterungsfähig und lebensfroh diese Menschen sind.
Diese Erfahrungen macht man als Zivildienstleistender, aber nicht als Soldat! Der Bund bietet zwar auch jede Menge Erfahrungen, doch diese sind ganz andere. Wer die Erfahrung machen möchte, wie man sich wohl als Sträfling im Gefängnis fühlt, wer lernen möchte, mit einer Schusswaffe umzugehen, oder wer immer schon mal lernen wollte, wie man seine Hemden auf DIN A4-Format zusammenlegt, für den möge vielleicht die Bundeswehr das richtige sein.
Doch nicht nur die Entscheidung Bund oder Zivildienst ist von großer Bedeutung, sondern auch die Wahl des Zivildienstplatzes sollte sorgfältig und frühzeitig in Angriff genommen werden.
Als Zivildienstanwärter sollte man sich genauestens bei seinem künftigen Arbeitgeber informieren, welche Aufgaben man an seiner Arbeitsstelle zu bewältigen hat, da ich von Freunden und anderen Zivis auf dem Lehrgang die krassesten Geschichten gehört habe. Das Problem liegt wohl meistens darin, dass diese Zivildienstarbeitsplätze für die sozialen Einrichtungen so wichtig sind, dass sie eigentlich mit hochqualitativ ausgebildeten Arbeitskräften belegt sein müssten. Dafür fehlt dem Staat jedoch das Geld, so dass Zivis oftmals ohne Erfahrungen an ihren Arbeitsplätzen mit harten Aufgaben konfrontiert werden, die sonst eigentlich nur ausgebildetes Fachpersonal erledigen sollte.
Ich hatte sehr viel Glück mit meiner Arbeitsstelle, weil die Konstellation der Klasse, in der ich bin, sehr angenehm ist, da normalerweise mehr Schüler in der Klasse sind, als es dieses Jahr der Fall ist. Dadurch ist es bei uns natürlich nicht so stressig wie in anderen Klassen. Die Schüler haben mich auch ziemlich schnell akzeptiert, so dass es mir Spaß bringt, mit ihnen zusammen zu arbeiten und ich merke, dass es ihnen auch Spaß macht.
Außerdem finde ich es gut, dass mich die Mitarbeiterinnen der Klasse weitestgehend in die pädagogische Arbeit einbinden und ich einen Einblick in deren Berufsfeld bekomme. Aber auch das ist natürlich von Gruppe zu Gruppe und von Institution zu Institution unterschiedlich. Anderswo werden Zivis auch gerne als einfache Aushilfskräfte benutzt, die zum Beispiel tagelang vor den Kopierer gestellt werden.
Des Weiteren sollte man sich als angehender Zivi das „Zivildienst ABC“ sorgfältig durchlesen, weil dort wichtige Informationen drinstehen, die wirklich nützlich sein können. Diese Rechte und Pflichten werden einem zwar auch noch mal auf dem Einführungslehrgang erläutert, doch zu diesem Lehrgang wurde ich vom Bundesamt für Zivildienst erst nach 5 Monaten abgeleistetem Zivildienst eingeladen. Also Jungs, trefft eine Entscheidung, aber trefft sie nicht unüberlegt!!!
Oliver Buttler
Zivildienstleistende sind unverzichtbar für unsere Arbeit. Sie sind wertvolle Helfer im Umfeld pädagogischer Arbeit. Es ist sozialpolitische und wirtschaftliche Tatsache: Ohne Zivis und Praktikanten ist unsere Arbeit nicht finanzierbar!